
Jeden Tag werden weltweit Milliarden E-Mails verschickt – und ein erheblicher Teil davon ist unerwünschter Spam. Neben lästiger Werbung gehören heute auch Phishing-Nachrichten, Schadsoftware und betrügerische E-Mails zum Alltag.
Damit solche Nachrichten möglichst gar nicht erst im Posteingang landen, setzen moderne Mailserver auf mehrstufige Spamfilter. Eine weit verbreitete Open-Source-Lösung ist Rspamd – auch bei Artfiles im Einsatz.
In diesem Artikel schauen wir uns an, wie Rspamd funktioniert, warum das Bewertungsprinzip zuverlässiger arbeitet als einfache Regelfilter, und welche Einstellungsmöglichkeiten Sie bei Artfiles selbst haben.
Warum Spamfilter heute wichtiger sind, denn je
Spam ist längst nicht mehr nur störende Werbung. E-Mails werden gezielt genutzt, um Zugangsdaten zu stehlen, Schadsoftware zu verbreiten oder Unternehmen finanziell zu schädigen. Zu den häufigsten Bedrohungen gehören:
- Phishing-E-Mails
- Schadsoftware im Anhang
- gefälschte Rechnungen
- Identitätsdiebstahl
- Massen-Spam
- kompromittierte E-Mail-Konten
Ein leistungsfähiger Spamfilter hilft dabei, diese Nachrichten frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu bewerten.
Kurz erklärt Rspamd ist ein Open-Source-Spamfilter für Mailserver. Statt E-Mails nur nach festen Regeln zu bewerten, kombiniert Rspamd zahlreiche Prüfverfahren wie SPF, DKIM, DMARC, Reputationsdaten und Inhaltsanalysen. Das Ergebnis ist ein Spam-Score, der darüber entscheidet, wie mit einer Nachricht verfahren wird.
Was ist Rspamd?
Rspamd arbeitet nicht mit einer einfachen Entscheidung zwischen „Spam“ und „kein Spam“, sondern bewertet jede eingehende Nachricht anhand zahlreicher Merkmale. Jede Prüfung vergibt Plus- oder Minuspunkte. Aus der Summe ergibt sich ein sogenannter Spam-Score.
Je höher dieser Wert ausfällt, desto wahrscheinlicher handelt es sich um eine unerwünschte Nachricht. Abhängig von der Konfiguration des Mailservers kann eine E-Mail anschließend normal zugestellt, als Spam markiert, in den Spam-Ordner verschoben oder bereits während der Zustellung abgewiesen werden.
Der Vorteil dieses Ansatzes: Eine einzelne Auffälligkeit führt nicht automatisch dazu, dass eine Nachricht aussortiert wird. Erst das Zusammenspiel mehrerer Faktoren ergibt die Gesamtbewertung – dadurch landen legitime E-Mails deutlich seltener fälschlicherweise im Spam-Ordner.
So erkennt Rspamd Spam
Reputation des Absenders
Rspamd prüft unter anderem, ob der sendende Mailserver bereits als Spam-Quelle bekannt ist. Dafür werden DNS-basierte Sperrlisten (DNSBL) sowie verschiedene Reputationsdaten genutzt. Ein Mailserver mit guter Reputation wird entsprechend besser bewertet als einer, der bereits mehrfach durch Spam aufgefallen ist.
SPF, DKIM und DMARC
Ein wichtiger Bestandteil moderner E-Mail-Sicherheit sind Authentifizierungsverfahren:
- SPF (Sender Policy Framework): Darf dieser Server überhaupt E-Mails für die Domain versenden?
- DKIM (DomainKeys Identified Mail): Stammt die Nachricht von einem autorisierten System und wurde sie unterwegs verändert?
- DMARC (Domain-based Message Authentication, Reporting and Conformance): Welche Richtlinien gelten für Nachrichten, bei denen die Authentifizierung fehlschlägt?
Diese Verfahren verhindern Spam nicht automatisch, liefern Spamfiltern aber wichtige zusätzliche Signale und helfen dabei, gefälschte Absender zu erkennen.
Wie Sie diese Einträge für Ihre Domain einrichten, erklären wir ausführlich in unseren Support-Artikeln zum SPF-Record und zu DKIM/DMARC. Falls Ihnen Begriffe wie Domain, DNS oder Nameserver noch nicht vertraut sind, empfehlen wir außerdem unseren Beitrag „Domain-Management für Einsteiger“, der die technischen Grundlagen verständlich erklärt.
Analyse des Nachrichteninhalts
Rspamd untersucht auch die Nachricht selbst – etwa typische Spam-Begriffe, ungewöhnliche HTML-Strukturen, auffällig viele externe Links, verdächtige Anhänge oder manipulierte Header. Dabei zählt nicht das einzelne Wort, sondern der Gesamteindruck.
Bayes- und Fuzzy-Filter
Rspamd nutzt außerdem statistische Verfahren. Der Bayes-Filter ist ein lernendes Verfahren, das anhand bereits klassifizierter Nachrichten Wahrscheinlichkeiten berechnet: Je mehr Beispiele verarbeitet wurden, desto präziser erkennt das System typische Merkmale von Spam und legitimen E-Mails. Ergänzend kommen Fuzzy-Filter zum Einsatz, die Ähnlichkeiten zu bereits bekannten Spam-Nachrichten erkennen, auch wenn diese leicht abgewandelt wurden.
Weitere Prüfverfahren
Darüber hinaus unterstützt Rspamd zahlreiche weitere Mechanismen, darunter Greylisting, URI-Blocklisten, Anbindungen an Virenscanner wie ClamAV, Rate-Limiting sowie individuelle Filterregeln.
Praxisbeispiel: Wie Rspamd eine E-Mail bewertet
Die Stärke von Rspamd liegt darin, dass nicht ein einzelnes Merkmal über Spam oder Nicht-Spam entscheidet. Drei Beispiele:
Beispiel 1: Eine legitime Rechnung
Sie erhalten eine Rechnung eines bekannten Geschäftspartners.
| Prüfung | Ergebnis |
| SPF | ✔ Erfolgreich |
| DKIM | ✔ Gültige Signatur |
| DMARC | ✔ Richtlinie erfüllt |
| Absender-Reputation | ✔ Vertrauenswürdig |
| Links | ✔ Seriöse Unternehmensdomain |
| Inhalt | ✔ Keine Auffälligkeiten |
Ergebnis: Niedriger Spam-Score, die Nachricht wird regulär zugestellt.
Beispiel 2: Eine typische Phishing-Mail
„Ihr Microsoft-365-Konto wird heute deaktiviert. Bitte bestätigen Sie Ihre Zugangsdaten innerhalb von 30 Minuten.“
| Prüfung | Ergebnis |
| SPF | ✖ Fehlgeschlagen |
| DKIM | ✖ Keine gültige Signatur |
| DMARC | ✖ Nicht bestanden |
| Link-Ziel | ⚠ Unbekannte Domain |
| Betreff | ⚠ Typische Phishing-Formulierung |
| HTML-Struktur | ⚠ Auffällig |
| Reputation | ⚠ Bereits negativ bewertet |
Ergebnis: Die Faktoren summieren sich zu einem deutlich höheren Score. Je nach Konfiguration wird die Nachricht markiert, in den Spam-Ordner verschoben oder bereits bei der Einlieferung abgewiesen.
Beispiel 3: Ein Newsletter
Nicht jede E-Mail mit vielen Links und Bildern ist automatisch Spam. Ein seriöser Newsletter enthält oft mehrere Links, HTML-Formatierung, Bilder und Werbeinhalte – Merkmale, die grundsätzlich auch bei Spam vorkommen. Gleichzeitig sprechen gültige SPF-, DKIM- und DMARC-Prüfungen, eine gute Absender-Reputation und eine bekannte Versandplattform klar für die Echtheit.
Ergebnis: Rspamd erkennt den Newsletter als legitime Nachricht. Genau hier zeigt sich der Vorteil gegenüber einfachen Regelfiltern, die bei „vielen Links“ bereits anschlagen würden.
So entsteht der Spam-Score
Man kann sich die Bewertung als Punktesystem vorstellen: Auffällige Merkmale erhöhen den Wert, vertrauenswürdige senken ihn. Kommen mehrere negative Signale zusammen, überschreitet die Nachricht die konfigurierte Schwelle und wird entsprechend behandelt.
Rspamd arbeitet dabei nicht mit einem einzelnen Grenzwert, sondern mit mehreren Schwellen für unterschiedliche Aktionen – etwa Greylisting bei leicht erhöhtem Score, Markierung als Spam bei mittlerem und Abweisung bei sehr hohem Score.
Hinweis: Die konkreten Punktwerte und Schwellen unterscheiden sich je nach Konfiguration des Mailservers erheblich. Ein Vergleich absoluter Zahlen zwischen verschiedenen Anbietern ist deshalb wenig aussagekräftig.
Rspamd bei Artfiles
Bei Artfiles kommt Rspamd als Spamfilter zum Einsatz. Anders als der zuvor genutzte SpamAssassin ist Rspamd direkt in den Mailempfang eingebunden und prüft Nachrichten bereits im SMTP-Dialog, also während der Einlieferung – verdächtige Mails können so bei Bedarf direkt abgewiesen werden.
Im DCP können Sie selbst Einfluss darauf nehmen, wie eingehende Nachrichten behandelt werden:
Black- und Whitelists Diese werden pro E-Mail-Konto im DCP gepflegt. Dabei lässt sich festlegen, ob ein Konto eigene Listen nutzt oder die für die gesamte Domain beziehungsweise den Account konfigurierten Listen übernimmt. Über eine Whitelist stellen Sie sicher, dass Nachrichten wichtiger Absender zuverlässig ankommen; über eine Blacklist blockieren Sie unerwünschte Absender gezielt.
Spamfilter-Training Sie können den Filter aktiv verbessern: Verschieben Sie eine fälschlich nicht erkannte Spam-Mail aus dem Posteingang in den Spam- bzw. Junk-Ordner, lernt das System sie als Spam. Landet umgekehrt eine legitime Mail fälschlich im Spam-Ordner, holen Sie sie einfach zurück in den Posteingang – dann wird sie als Ham (Nicht-Spam) gelernt.
Wichtig: Mails, die direkt aus dem Spam-Ordner gelöscht werden, fließen nicht ins Training ein. Im DCP sehen Sie unter „Spamfilter – erweiterte Einstellungen“ jederzeit, wie viele Spam- und Nicht-Spam-Mails Sie bereits angelernt haben.
Dabei werden ausschließlich statistische Merkmale gespeichert – nicht die Inhalte der Mails und auch keine Daten, die Rückschlüsse auf Inhalte zulassen.
Kompatibilitätsmodus Wer die Markierung aus SpamAssassin-Zeiten gewohnt ist, kann diese Option aktivieren. Dann wird wie zuvor *****SPAM***** in den Betreff erkannter Spam-Mails eingefügt.
Ausführliche Informationen finden Sie in unserer Support-Dokumentation: Spam – Artfiles Support. Wenn Sie ein neues Postfach einrichten möchten, führt Sie unser Beitrag „E-Mail-Adresse einrichten: Schritt für Schritt zur eigenen E-Mail-Adresse“ durch den gesamten Prozess.
Warum landen trotzdem manchmal legitime E-Mails im Spam?
Kein Spamfilter arbeitet fehlerfrei. Eine legitime Nachricht kann auffällig wirken, wenn die Absenderdomain nicht sauber konfiguriert ist, Authentifizierungsverfahren fehlen oder fehlerhaft eingerichtet wurden, oder der versendende Mailserver bereits eine schlechte Reputation besitzt. Gleichzeitig entwickeln Spam-Versender ihre Methoden ständig weiter.
Wenn legitime Nachrichten regelmäßig im Spam-Ordner landen, lohnt sich ein Blick auf die technische Seite:
- SPF, DKIM und DMARC prüfen – sind alle drei korrekt für die Domain eingerichtet?
- Reputation prüfen – wird die IP des versendenden Servers auf bekannten Sperrlisten geführt?
- Header analysieren – die Kopfzeilen enthalten technische Informationen über den Versandweg und häufig auch dazu, welche Prüfungen mit welchem Ergebnis durchgeführt wurden.
- Filter trainieren – siehe oben, das wirkt sich direkt auf zukünftige Nachrichten aus.
Weitere typische Stolpersteine rund um Hosting und Mailversand behandeln wir in „Hosting-Probleme erkennen und beheben„.
Praxistipps für Administratoren
Ein Spamfilter erzielt die besten Ergebnisse, wenn auch die übrige E-Mail-Infrastruktur sauber eingerichtet ist:
- SPF-, DKIM- und DMARC-Einträge korrekt konfigurieren
- Spam- und Ham-Nachrichten regelmäßig prüfen und den Filter trainieren
- Mailserver und Software aktuell halten
- Logdateien und Statistiken regelmäßig auswerten
- Eigene Filterregeln nur gezielt ergänzen statt pauschal
Ein Spamfilter ist dabei nur ein Baustein. Ebenso wichtig sind starke Passwörter, Mehr-Faktor-Authentifizierung, regelmäßige Updates und die Sensibilisierung von Mitarbeitenden für Phishing-Versuche.
Einen Überblick über die wichtigsten Maßnahmen gibt unser Beitrag „Cybersecurity für KMU“ – und weil Phishing im Ernstfall auch zu Datenverlust führen kann, lohnt sich ergänzend ein Blick auf „Backups richtig planen und testen“.
Fazit
Spam ist heute weit mehr als störende Werbung – Phishing, Schadsoftware und betrügerische E-Mails gehören zu den relevantesten Sicherheitsrisiken im digitalen Alltag.
Rspamd kombiniert deshalb zahlreiche technische und inhaltliche Signale zu einer Gesamtbewertung, statt sich auf einzelne Regeln zu verlassen. Das erhöht die Erkennungsrate und reduziert gleichzeitig die Zahl fälschlich aussortierter Nachrichten.
Gleichzeitig gilt: Kein Spamfilter arbeitet fehlerfrei. Eine saubere Konfiguration der eigenen Domain und des Mailversands trägt wesentlich dazu bei, dass legitime Nachrichten ihr Ziel erreichen. Und wer verstehen möchte, warum eine bestimmte Nachricht als Spam eingestuft wurde, sollte nicht nur auf den Inhalt schauen – häufig liefern die technischen Eigenschaften die entscheidenden Hinweise.
Bei Fragen zur Konfiguration von SPF, DKIM, DMARC oder zu den Spamfilter-Einstellungen im DCP hilft Ihnen unser Support-Team gerne weiter.
Kurz zusammengefasst
- Rspamd bewertet E-Mails anhand vieler Kriterien statt nach einfachen Regeln
- SPF, DKIM und DMARC helfen dabei, gefälschte Absender zu erkennen
- Der Spam-Score entsteht aus dem Zusammenspiel aller Prüfungen, nicht aus einem einzelnen Merkmal
- Bei Artfiles können Sie über Black-/Whitelists und das Spamfilter-Training im DCP selbst Einfluss nehmen
- Eine saubere SPF/DKIM/DMARC-Konfiguration ist die wichtigste Maßnahme gegen fälschlich aussortierte Mails
FAQ
Ist Rspamd kostenlos?
Rspamd ist Open-Source-Software und steht unter der Apache-Lizenz frei zur Verfügung. Bei Artfiles ist der Spamfilter Teil der Mailserver-Infrastruktur.
Ersetzt Rspamd einen Virenscanner?
Nein. Rspamd ist in erster Linie ein Spamfilter, lässt sich aber mit Virenscannern wie ClamAV kombinieren.
Bedeutet ein hoher Spam-Score automatisch, dass eine E-Mail gelöscht wird?
Nicht unbedingt. Welche Aktion erfolgt, hängt von der Serverkonfiguration ab – von normaler Zustellung über Markierung und Verschieben in den Spam-Ordner bis zur Abweisung bei der Einlieferung.
Warum reicht ein einzelnes Kriterium wie SPF nicht aus?
Weil SPF, DKIM und DMARC zwar wichtige Signale liefern, allein aber nicht zwischen Spam und legitimer Mail unterscheiden können. Erst die Kombination mit Reputation, Inhalt und statistischen Verfahren ergibt eine verlässliche Bewertung.
Wie schnell wirken Änderungen an SPF, DKIM oder DMARC?
Da diese Einstellungen über DNS-Einträge gesteuert werden, kann es je nach TTL-Wert und Caching einige Zeit dauern, bis Änderungen bei allen empfangenden Mailservern greifen.
Wie kann ich den Spamfilter aktiv trainieren?
Indem Sie fälschlich nicht erkannte Spam-Mails in den Spam-Ordner verschieben und fälschlich einsortierte legitime Mails zurück in den Posteingang holen. Direkt aus dem Spam-Ordner gelöschte Mails werden nicht gelernt.